Jan Schütte

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Fette Welt

Fat World

Story

Sie küssen und sie schlagen sich, sie lieben und sie töten sich: Hagen Trinker und die anderen, Penner und Junkies, Männer und Frauen. Sie leben in München, unter der Brücke, im Rohbau. Manchmal ist ein Sessel ihr Zuhause, manchmal eine Zeitung ihre Matratze. Aber meist sind sie sowieso unterwegs, auf der Straße, in Einkaufspassagen, auf dem Bahnhof – ohne Ziel und ohne Illusionen.

Um Hagen herum: lauter Seelenverwandte. Edgar, der die drogensüchtige Liane liebt und vom Leben mit ihr in der Sonne träumt; Edda, die dralle Straßenmutter, die Hagen die Hose auf- und das letzte Geld abknöpft; Gustl, der kochende Philosoph und »Botschafter«, der den Wecker stellt, als ob jeder neue Morgen nicht sowieso kommt wie der letzte.

Eines Tages taucht Judith auf. Sie stammt aus Berlin, ist 15 und aus ihrem überbehüteten Elternhaus in die Gegenwelt geflohen. Alle nehmen sie freundlich auf – nur Hagen nicht. Doch Judith schafft es, seinen emotionalen Panzer zu sprengen. Hagen verliebt sich in sie. Zum ersten Mal seit langem hat er das Gefühl, dass es jemanden gibt, für den sich das Überleben lohnt. Ein Märchen beginnt und im nächsten Moment ist es auch schon wieder zu Ende. Die Polizei entdeckt Judith und bringt sie zu ihren Eltern zurück nach Berlin. Hagen will sich diesmal jedoch nicht mit seinem Schicksal abfinden …

Ein Film über Einsamkeit und Existenzangst. Statt lauthals Sozialkritik zu üben, wird einfach gezeigt, wie es ist – und das mit realistischem Witz. Dass das so gut funktioniert, ist nicht zuletzt den Hauptdarstellern zu verdanken.

Jan Schütte über Fette Welt:

Das besondere Umfeld, das die Liebesgeschichte von Hagen und Judith so sehr bestimmt, erfordert eine spezielle Herangehensweise. Immerhin ist Obdachlosigkeit trotz seiner zunehmenden Bedeutung kein klassischer Hintergrund für eine Kino-Lovestory. Der Film spielt hier und jetzt. So haben wir bewusst auf erklärende Rückblenden verzichtet. Eine Schwierigkeit war, dass wir viel an öffentlichen Plätzen drehen mussten: im Bahnhof, auf der Straße, etc. Wir haben also in gegebene Orte hineininszeniert.

Von Anfang an hatte ich mir Fette Welt nur mit Jürgen Vogel vorstellen können. Er gab in den entscheidenden Szenen der Figur Hagen die notwendige physische Präsenz.