Jan Schütte

de / en

Verloren in Amerika

Lost in America

Story

Auf eisernen Stelzen rattert die Hochbahn über die Hauptstraße und taucht den Asphalt in ein Gitternetz von Licht und Schatten. Zwischen den Backsteinhäusern aus den 20er Jahren schaut man auf den nahen Atlantikstrand.

Brighton Beach liegt versteckt im südöstlichsten Zipfel Brooklyns, hinter den Achterbahnen von Coney Island, eine Stunde U-Bahn Fahrt von Manhattan entfernt, und jeder kennt es nur als Little Odessa.

Es ist eine ganz und gar europäische und jüdische Gegend, ein Stadtteil von neuen und alten Immigranten. Der Film porträtiert drei von ihnen: eine junge russische Familie, die gerade erst aus der Ukraine gekommen ist, den Hamburger Juden Irving Lancart, der den Krieg in Shanghai überlebt hat und jeden Abend auf dem Boardwalk steht und über den Atlantik auf Europa »schaut«, sowie Abraham Herzhaft aus Jeschuw in Polen, der mit fünfundsiebzig immer noch mit seinem Rennrad über die Brighton Beach Avenue fährt und in seiner Küche »gefillte fish« kocht.

Was ist aus Emigranten geworden, die Deutschland einmal verlassen mussten? Wir wissen viel vom Schicksal der Künstler, die emigriert sind, wenig von dem der ganz gewöhnlichen Leute. – Ein Film über die Abwesenheit von Heimat.

Die beiden Porträtierten wurden die Vorbilder für Moshe und Isaac in Auf Wiedersehen Amerika.