Jan Schütte

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Winckelmanns Reisen

Winckelmann’s Travels

Story

Wenn das Schuppenshampoo der Schweizer Firma Pohl zwischen Itzehoe und Glückstadt keinen reißenden Absatz findet, so ist die mangelnde Überzeugung des Vertreters Ernst Winckelmann daran nicht ganz unschuldig. Sieben Jahre nach seiner gescheiterten Ehe sind Winckelmanns Gedanken noch immer bei seiner Exfrau Hilde. Aber auch zu seiner jungen Freundin Aline, die vom Weggehen träumt, findet er kein realistisches Verhältnis. Erst das Auftauchen der fünfjährigen Rosa gibt Winckelmanns Reisen auf merkwürdige Weise die vermisste Perspektive.

Winckelmanns Reisen erzählt von immer knapp verfehlten Begegnungen, von Menschen, die stets im falschen Moment am falschen Ort sind, von der Komik der Missverständnisse und der späten Trauer über verpasste Gelegenheiten. Der Film birgt Momente klassischer Lakonie, wie das Schwarzweiß der Bilder aus einem unbewegten Land, wie der verhaltene Jazz, der die Wege und Umwege der Figuren ironisch kommentiert.

Jan Schütte über Winckelmanns Reisen:

Winckelmanns Reisen ist eine Geschichte von kleinen Leuten, Schicksalen, von denen häufig keine besondere Notiz genommen wird. Ausgehend von der Figur Winckelmann setzt sich der Film in einer ironisch-tragikomischen Art mit der heutigen gesellschaftlichen Realität auseinander. Eigentlich werden die Schwierigkeiten zwischen Geld und Liebe gezeigt. Wie vereinbart einer sein Privatleben und seine Arbeitssituation? Das sind die charakteristischen Erfolgsstrukturen der freien Marktwirtschaft, das Konkurrenzprinzip und seine Folgen. Nicht die übliche Geschichte des Erfolgreichen, der sein Privatleben verliert. Bei den kleinen Leuten schlägt sich das viel massiver durch, viel härter.

Das Schwarzweiß ist von der Landschaft inspiriert. Der Film spielt in Hamburg und Norddeutschland. Das ist karge Landschaft und es wurde die größtmögliche Form der Verdichtung gesucht. Ein auf das Minimale und Wesentliche reduziertes Kino. Ich wollte alles Überflüssige weglassen. Nichts sollte im Vordergrund sein, nicht die Ausstattung, nicht die Kamera, nicht die Musik, nicht die Schauspieler. Alles sollte für sich selber da sein, die größtmögliche Selbstverständlichkeit haben.